Wer kennt nicht die Filme, Reportagen und Erzählungen, in denen über Maharajas, Kamelkarawanen, Männer mit leuchtenden Turbanen und  wunderschönen Sonnenuntergängen in der Wüste berichtet wird? Dieses Land der Rajputen (Rajasthan) haben wir für 3 Wochen bereist.

Die Bilder und Gedanken schwirren noch im Kopf und bedürfen einer Ordnung. Da ist einerseits die verschwenderische Vergangenheit einzelner Herrscherhäuser zu sehen, dagegen steht durch die Ausbeutung überall zu erlebende Rückständigkeit. Hier recken sich bettelnde Kinderhände entgegen, dort wird heftig an einer modernen Infrastruktur gebaut. Hier die chancenlose Kaste, dort ein aufstrebendes Management.

Wir scheinen die Kluft zwischen Mann und Frau deutlich erkennen zu können. Alles getragen durch eine Weltanschauung, die im täglichen chaotischen Verkehr noch Rücksicht nimmt auf frei laufende Kühe, Ziegen, Hunde und was sonst noch Beine und Flügel hat. Jedermann strebt auf den Strassen einem Ziel zu, lethargisches Dahinleben scheint es nicht zu geben. Die Arbeitswelt ist durch ständige Stromausfälle, keinerlei Unfallverhütung und Hygiene belastet. Für jede noch so kleine Dienstleistung wird ein Trinkgeld erwartet, oft als einzige Einnahmequelle für die Masse der ohne Anstellung arbeitenden Bevölkerung. Schwer für uns die Freundlichkeit als Erwartungshaltung oder gelebte Freude zu erkennen.

Und dann die allgegenwärtige Verschmutzung der Umwelt durch Plastiktüten, die der Wind auf das ganze Land verteilt hat.

Ein Blick durch das Flugzeugfenster vor der Landung daheim zeigt statt einer ausgedörrten Landschaft, grüne Wiesen, geordnete Wege und mit allen technischem Komfort ausgerüsteten Ortschaften. Uns wird bewusst, dass die von uns beklagte Durchorganisation bis ins Detail auch eine gewisse Berechtigung hat. Unser tägliches Gejammer scheint plötzlich in einem anderen Licht. Wir klagen auf einem Niveau, die ein Rajasthani nicht verstehen kann…